Ende April war es endlich wieder soweit. 28 Mitglieder der Heppenheimer Lebenshilfe brachen auf zur lang ersehnten Freizeit im Haus AllgäuWeite in Sulzberg-Moosbach am Rottachsee, unweit von Kempten. Schon bei der Ankunft am späten Nachmittag wurde allen klar: „Das ist ein wunderschöner Ort in einer landschaftlich einzigartigen Umgebung im Allgäuer Seen- und Bergland.
Die Tage begannen mit Frühsport, humorvoll und versiert angeleitet von Karlheinz Mulzer. Abends gab es Gelegenheit zu Singrunden mit Gitarrenbegleitung. Der musikalische Renner war eindeutig der Tanz in den Mai, bei dem ausgelassen und unermüdlich zu Hits aus verschiedenen Epochen getanzt wurde. Darüber hinaus bereicherte Karlheinz Mulzer die gemeinsamen Abende wort- und gestenreich mit Märchen der Gebrüder Grimm. Dazu eine anerkennende Stimme aus dem Publikum: „Der hätte Schauspieler werden können“.
Das Tagesprogramm bestand aus vielfältigen Aktivitäten, angefangen bei Basteln mit Ton und anschließendem Bemalen über Theaterproben für den Abschlussabend bis hin zu Ausflügen nach Kempten und Wanderungen in der Umgebung, z.B. zur Burgruine Sulzberg und zum Rottachsee.
Ein Besuch der Allgäuer Werkstätten in Kempten für Menschen mit Unterstützungsbedarf durfte natürlich nicht fehlen und so konnte man an einer Führung durch den Werkstattbereich teilnehmen und sich ein Bild von den umfangreichen Berufsbildungsmaßnahmen und den in hohem Maße herausfordernden Montagearbeiten machen. Anschließend war die Gruppe im dazugehörigen und inklusiv konzipierten Werkshop zu Gast und nahm am Mittagessen teil. Der Mittagstisch dort findet enormen Zuspruch von Mitarbeitenden aus den umliegenden Betrieben und spricht für die hohe Qualität des angebotenen Essens und die Umsicht des Service-Personals.
Ein weiterer Höhepunkt war das Kräftemessen beim Kettcar-Rennen. Jeweils zwei Teilnehmende traten gegeneinander an und schenkten sich nichts, ging es doch darum, die eigene persönliche Bestzeit zu finden. Dieser Eifer wurde mit Urkunden für außergewöhnliche Leistungen belohnt, die Sabine Schmidtmeyer erstellt hatte.
Im Zentrum der Allgäuer Metropole besuchte die Reisegruppe das Kempten-Museum im Zumsteinhaus. Mit dem Verkauf von Seidentüchern waren die Namensgeber, die Gebrüder Zumstein, zu Wohlstand gekommen und konnten den Grundstein für ein eindrucksvolles Museum mit einer Vielzahl von interessanten Exponaten legen. U.a. besichtigte man die sogenannten Flammentücher, Modelle von hiesigen Kirchen und dem Rathaus, einen Raum mit Kirchenglocken und Kulinarisches in allen Variationen. Man erfuhr dabei Lehrreiches und gleichermaßen Erstaunliches über Allgäuer Spezialitäten wie den Bergsteiger, eine würzige Allgäuer Wurst, eine traditionelle Fischsoße und einen Hustensirup mit abenteuerlichen Bestandteilen wie z.B. Nacktschnecken. Abschließend wurde im hauseigenen Kellerkino ein Film gezeigt. Darin beschäftigten sich Kinder und Jugendliche auf unterschiedlichste Weise mit Rätseln und Ängsten zum Begriff Keller. Auch Menschen mit Unterstützungsbedarf aus den Allgäuer Werkstätten wirkten bei dem Film auf ansprechende Weise mit.
Was wäre ein Aufenthalt im Allgäu ohne Maibaum und Blasmusik? Das wollte sich die Gruppe nicht nehmen lassen und feierte am 1. Mai in uriger Atmosphäre im nahen Moosbach mit. Johannes Wemmer war auf alles vorbereitet und zeigte sich dabei im passenden Lederhosen-Outfit.
Die Woche verging wie im Flug und fand ihren krönenden Abschluss in einem tollen Gala-Abend, musikalisch eingeleitet mit „Theater, Theater..“ von Katja Ebstein. Hilde Greilach kündigte eine junge und talentierte Schauspielgruppe an, die eifrig für diesen Auftritt geprobt hatte. So kam es zur Premiere der Lebenshilfe-Eigenproduktion „Chaos ab 6“, vor einigen Wochen geschrieben von Freizeitleiterin Sabine Schmidtmeyer während eines mehrstündigen Stillstands im Stau auf der Autobahn. Akribisch assistiert von Angela Bräunig und Monika Taufertshöfer, die dem Ensemble während des Auftritts in Sekundenschnelle eine Unmenge von Requisiten reichten, führten die Talente ein äußerst unterhaltsames Theaterstück mit 8 Szenen aus einem Tag im Leben von Menschen mit Unterstützungsbedarf auf. Viele Akteure glänzten dabei schauspielerisch und tänzerisch und sangen dazu die Lieder „Atemlos“, „Es regnet, es regnet“ und „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ Einige Schnappschüsse der Freizeit durften natürlich auch nicht fehlen. Die schönsten Aufnahmen von diversen Fotografinnen und Fotografen wurden von Sabine Schmidtmeyer zusammengestellt und beim Abschlussabend präsentiert.
Keine Freizeit ohne Vorbereitung und Leitung – Zeit, den Verantwortlichen ein Dankeschön zu sagen. Stellvertretend für alle Teilnehmenden übernahm Franz Schäfer während der Heimfahrt im Reisebus gerne diese Aufgabe und fand dafür lobende Worte, verbunden mit Geschenkgutscheinen für die Engagierten.
Ein besonderer Dank gebührt dem Autohaus Goss für die kostenlose Überlassung eines Fahrzeugs, das der Lebenshilfe schon seit Jahren eine große Hilfe bei der Freizeit ist.