Die Lebenshilfe Heppenheim ist experimentierfreudig. Das stellte sie einmal mehr unter Beweis, konnte man doch mit großer Freude erstmalig die Räumlichkeiten der Tagespflege Starkenburg als Domizil für den diesjährigen Kräppelkaffee nutzen. Ein ganz herzliches Dankeschön und zahllose „Raketen“ für die Gastgeber Alexander Fritz und Saskia Böhm-Fritz.
40 fastnachtsbegeisterte Mitglieder der Lebenshilfe hatten sich bunt kostümiert in der sogenannten Arkade in der Donnersbergstraße eingefunden und waren sichtlich angetan vom ungewohnten Ambiente. Dabei war die selbstgebastelte Dekoration von Monika Mitsch wieder eine besondere Augenweide.
Und es ging gleich in die Vollen. Florian und Stefan Schäfer hielt es überhaupt nicht mehr auf den Sitzen und bereits vor dem offiziellen Start tanzten die beiden Blues Brothers ausgelassen zu „Everybody needs somebody“ – ein fetziger Auftakt in einen schwungvollen Nachmittag.
Getreu dem diesjährigen närrischen Motto „Ob grouß, ob kloa, ob kunderbund, bei de Lebenshilfe gäihd´s heit rischdisch rund!“ begrüßte Obernärrin Angela Bräunig die Anwesenden, unter ihnen Claudia Flath vom Pastoralteam der katholischen Kirchengemeinde Hl. Marianne Cope, und führte dialektsicher durch einen bunten Programm-Mix. Nicht zu vergessen Dirk Gugenberger als DJ, Meister der Tontechnik und musikalischer Allrounder.
Nach einer ersten Schunkelrunde war es nun Zeit für den Auftritt des Kinder- und Jugendballetts des Sportvereins Erbach unter Leitung von Anna Staffa. Die Mädchen hatten die lange Anreise von 3,9 Kilometern sichtlich gut überstanden und wussten mit toll einstudierter Performance zu groovigen Rhythmen zu begeistern. Mit „Lass die Hexe raus“ und „Alles ist Musik“ kam das Publikum in Schwung. Auch wenn es kein Nachmittag des Grübelns war, so regte der dabei verwendete Text „Wenn nichts mehr geht, fangen wir an zu singen. Alles, was fremd ist, wird uns vertrauter“ den einen oder anderen aufmerksamen Zuhörer doch zum Nachdenken über das Dargebotene an. Ohne eine Zugabe mit donnerndem Applaus ging es natürlich nicht und es gab anschließend für alle aus dem Ensemble den wohlverdienten Fastnachtsorden der Lebenshilfe.
Darauf folgte eine ausgelassene Tanzrunde mit DJ Dirk. Da fehlte es nicht an Stimmgewalt und Textsicherheit und alle fanden den „Way to Amarillo“.
Jetzt folgte der Auftritt einer „Fastnachtsgeschädischden“ alias Hedwig Vock. Sie klagte ihr Leid über all´ den Stress als langjährige aktive Karnevalistin während der Kampagne. Kritisch und leidgeprüft präsentierte sie sich als „Fastnachtsaussteigerin“: „Isch häbb die Noas voll, die Masge solle falle. Isch will blouß oans und zwar moi Ruh´. Oan Gedoange hot mer blous, alle Johr desselbe Quark, diesmol bleib isch stark“.
Das Publikum quittierte diesen pointenreichen Vortrag, gespickt mit trockenem Humor, mit einer lautstarken Rakete.
Spätestens jetzt waren alle im Saal auf Betriebstemperatur und bereit für die „Heddwisch Singers“ alias Karlheinz Mulzer und Arthur Vock, begleitet von Dirk Gugenberger am Akkordeon. Oder anders ausgedrückt: für den kleinsten Männerchor der Lebenshilfe mit Orchester. Frech und anzüglich anmoderiert „Isch mach es Vorspiel un de Ständer is weg“ zogen die drei das Publikum in ihren Bann, spielten sich gegenseitig die Bälle zu und animierten zum kräftigen Mitsingen von Volksliedern und Shanties. Und es ging kompromisslos zu. Originalton Arthur Vock: „Wer ned mitsingt, wärd hoamgschiggt“. Das Publikum wiederum ließ sich nicht lumpen und stimmte kräftig ein in „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Wir lagen vor Madagaskar“ und in den „Hamburger Veermaster“. Vorsänger Karlheinz Mulzer präsentierte sich bei letzterem als plattdeutschsicherer Vorsänger.
Eine weitere Tanzrunde, dieses Mal mit Sirtaki und Polonaise, bahnte sich an, bevor Dagmar Schäfer in die Bütt` stieg. Sie wollte eigentlich nur mit ihrem Mann Hannes ganz entspannt „Mainz wie es singt und lacht“ im Fernsehen anschauen. Aber weit gefehlt! Der wohlverdiente Fernsehabend auf der Couch wurde nach penetrantem Klingeln an der Haustür von „em Haufe Mensche, do sinse, isch häbb se gar ned all gekennd“ gestört und artete in eine Kette von häuslichen Katastrophen aus. „Do hot oaner die Zigarr` uff de Hoand vum Nochber ausgedriggt un die Feierwehr is wäje dem Qualm kumme“. Kommentar von „de Meiern“, eine der ungebetenen Gäste, beim Eintreffen der Feuerwehr: „Helau, do kimmt unser Prinzegard“. Und es ging beschwingt weiter:„Oaner fliegt dorsch die Vitrin`“ und alle singen „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. Selbst der Besenschrank war nicht sicher und ein beleibter Eindringling blieb darin stecken. Nach seiner Befreiung war der Flur 2 Meter breiter als vorher. Alles in allem ein nicht enden wollender Domino-Effekt und ein heilloses Durcheinander.
Dagmar Schäfer wurde für diesen tollen Vortrag, bei dem sich die Ereignisse förmlich überschlugen, mit großem Applaus bedacht. Vielleicht gibt sie ja im nächsten Jahr eine erneute Kostprobe ihres Könnens.
Zwischendrin wurden alle Aktiven und das Helferteam von Angela Bräunig mit Orden gewürdigt. Im Einzelnen: Brigitte und Karlheinz Mulzer, Claus und Sabine Schmidtmeyer, Gisela May, Dagmar, Franz, Florian und Stefan Schäfer sowie Monika Mitsch und Lothar Bräunig.
Weiter ging´s mit dem Heppenheimer Zugkomitee, angeführt von Konfetti-Queen Sarah I., Schirmherrin und Frau Zugmarschall in Personalunion, ihrem Gefolge und – als Vorgeschmack auf den Umzug – den Hepprumer Schwellkepp. Sarah I. begrüßte die „närrisch´ Bagasch un all“ und machte Werbung für den Umzug der Heppenheimer Straßenfastnacht.
Erneut liefen die „Heddwisch-Singers“ auf und der Saal stimmte in „What shall we do with a drunken sailor“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ und „Auf der Reeperbahn“ ein, gefolgt von „So ein Tag, so wunderschön wie heute“.
Zum Austoben und als krönenden Abschluss eines fulminanten Nachmittags gab es eine weitere Tanzrunde und einen zweiten Auftritt der Blues Brothers alias Florian und Stefan Schäfer.
Was steht als nächstes an bei der Lebenshilfe? Am 22.02. findet ein Spiele-Nachmittag im Haus Dornbusch statt. Die Einladung folgt demnächst. Bitte anmelden unter kontakt@lebenshilfe-heppenheim.de.